Die Metaebene Community und Beteiligung an Live-Sendungen

TL;DR: Ich habe ein auf Slack basierendes Chatforum eingerichtet und nenne es die Metaebene Community. Dieser Ort wendet sich an alle, die Lust haben, sich hier stärker einzubringen. Es ersetzt künftig bei Live-Sendungen auch den IRC-Chat.


Feedback ist wichtig

Kritik, Feedback, Tips und sonstige Hinweise sind für so eine Ein-Mann-Sendeanstalt wie die Metaebene lebenswichtig und Quell der Motivation. Wenn man gleichzeitig Moderation, Produktion, Sendeleitung und Intendanz ist, kann man schnell mal durcheinander geraten und sich im Zweifelsfall auch trefflich überfordern.

Deswegen setze ich für die Metaebene auf die Community. Ich kann gar nicht aufzählen, auf wie vielen Ebenen mir in den letzten zehn Jahren schon geholfen wurde und ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Kreativität und Energie mich umgibt. Doch blieben gefühlt auch viele Angebote und potentiellen Kooperationen auch ungenutzt, was schade ist.

Probleme auf der Kontaktebene

Nun ist die Frage, wie ich mit dieser Community am besten im Kontakt bleibe. Natürlich tausche ich mich in den Kommentaren der einzelnen Episoden aus. Und es gibt bei den Live-Sendungen der Freak Show oder NSFW auch immer rege Beteiligung im IRC-Chat. Auch gibt es viel substantielle Rückmeldungen über Twitter (sei es via @timpritlove, @metaebene oder eine der zahlreichen sendungsspezifischen Accounts).

Doch die Kommunikation zerfasert oft und mir wird oft nicht klar, wer nur mal zurückfunkt oder wer vielleicht Lust hat, ein wenig dichter am Geschehen zu bleiben. Dadurch gerät vieles zu unverbindlich und die Medienbrüche beim Übergang zu privaterer Kommunikation sind dann oft zu stark.

Chat als Zentrum der Kommunikation

Seit es das Netz gibt wird der Chat unterschätzt. Meist als belanglos oder zu kurzlebig wahrgenommen, waren chatbasierte Dienste doch meist immer deutlich erfolgreicher als gedacht. ICQ war ein erstes Beispiel, die SMS ein zweites. Es zeigte sich, dass die niedrige Turnaround-Zeit essentiell für einen bestimmten Kommunikationsbedarf war und vor allem, dass textbasierte Kommunikation für die Menschen mehr als nur zumutbar war.

Heute erleben Messenger ihren zweiten Frühling. Ob Facebook Messenger, WhatsApp, Threema, Signal, iMessage: die Chatnetzwerke sind viel mehr am Herzen der sozialen Beziehungen als jede E-Mail.

Trotzdem gab und gibt es auch Nachteile. Mich persönlich störte der Medienbruch zu anderen wichtigen Diensten, wo die E-Mail für Benachrichtigungen immer noch deutlich praktischer erschien. Auch die Nützlichkeit von RSS ließ sich im Chatnetzwerk nur begrenzt kultivieren.

slackDoch dann kam Slack. Gebaut für Teams und vor allem Entwicklergruppen, hat sich Slack in der letzten Zeit schnell in die Herzen von Arbeitsgruppen aller Art geschlichen. Ein „Slack“ ist ein Chatforum mit geschlossener Benutzergruppe, wo beliebig viele offene und private Chat-Kanäle eröffnet werden können und auch private Direktnachrichten möglich sind.

Abgesehen von dem gelungenen Webinterfaces und guten Apps auf allen derzeit wichtigen Plattformen (einschließlich des Desktops) und flexibel konfigurierbaren Benachrichtigungen ist vor allem die Idee der Integrations (jetzt hipperweise einfach nur noch „Apps“ genannt) der Bringer: Aktivitäten in relevanten Diensten wie GitHub, Blogs, Twitter-Accounts und ähnlichen Dingen konnten und können sehr einfach in die Kanäle „berichten“ oder dort auch mit Bots ferngesteuert werden.

Der Chat wird dadurch zur Schaltzentrale und es zeigte sich, dass dieses Modell für viele Anwendungen wirklich sehr gut funktionierte.

Die Metaebene Community

Diese Vorteile finde ich überzeugend. Daher gibt nun einen Slack für die Metaebene und ich nenne es die Metaebene Community. Durch einen kleinen technischen Kniff kann sich dort jeder selbst einladen und damit einen Account anlegen.

Wer ist die Zielgruppe für dieses Forum? Nun, zunächst wendet sich der neue Ort an jede/n, die/der schon bisher an Live-Sendungen im Chat teilgenommen hat. Ich werde künftig während der Freak Show und während NSFW den jeweiligen Sendungskanal (natürlich #freakshow und #nsfw)  in der Metaebene Community konsultieren. Damit entfällt der bisherige IRC-Kanal im Freenode Chat Network, das zwar über die Jahre gute Dienste geleistet hat, aber auch einige technische und soziale Probleme mit sich gebracht hat.

Aber ich möchte auch alle ermutigen, sich dort einzutragen, wenn ihr Lust habt, mich in meiner Arbeit auf irgendeine Art zu unterstützen. Ich weiß, dass viele sich z.B. eine finanzielle Unterstützung der Metaebene schlicht nicht leisten können, aber Willens und in der Lage wären, zum Beispiel mit administrativen Maßnahmen oder anderen technischen Hilfestellungen auszuhelfen. Oder vielleicht seid ihr auch einfach nur gute Informanten, habt gute Kontakte oder Ideen für Sendungen oder andere Herausforderungen des unabhängigen Podcastings.

Was es auch ist: in der Metaebene Community findet ihr mich, bin ich ansprechbar und vor allem finde ich Euch. Keine Jonglage mit unterschiedlichen Accounts auf unterschiedlichen Plattformen. So ist zumindest meine Hoffnung. Am Ende ist das alles ein Experiment, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Aber Slack ist doch proprietär/böse/closed source/NSA-unterwandert!!eins!!elf!

Nun gibt es sicherlich eine Menge Leute, die bei Slack so ihre Zweifel haben oder passende Verschwörungstheorien im Schrank liegen haben. Ich verstehe Euch. Und ich weiß auch, dass es diverse Projekte gibt, die mit und ohne Open-Source-Modell sich als Alternative zu Slack positionieren und bestimmt in mancherlei Hinsicht ihre Vorteile haben.

Ich habe mir Mattermost und Discord angeschaut und auch wenn hier manches gut gelöst ist und vor allem weniger Limitierungen in der kostenlosen Nutzung am Start sind, ist für mich der praktische Nutzen von Slack allein schon deshalb größer, weil ich es für fast zehn andere Projekte auch schon nutze und ich bisher weitgehend gute Erfahrungen gesammelt habe.

Das heißt nicht, dass es unbedingt bei Slack bleiben muss. An dem Tag, wo Slack als Firma mental komplett abdreht, untragbare finanzielle Bedingungen für die Nutzung aufstellt oder aus anderen Gründen nicht mehr benutzbar oder tragbar erscheint, wechsele ich gerne und ohne gebrochenes Herz auf eine dann brauchbare Alternative mit vergleichbarem Komfort. Aber derzeit hat Slack einfach Momentum und ist zumindest derzeit für mich das System der Wahl.

Benimmregeln

Ich will für die Nutzung des Systeme hier nicht tausend Regeln aufstellen, aber ein paar Dinge gelten uneingeschränkt, mämlich die Grundregeln der Höflichkeit, des gegenseitigen Respekts und des gesunden Menschenverstands.

Wer der Meinung ist, mit unangemessenen Kommentaren, sexistischen oder rassistischem Unsinn oder anderem untragbaren Verhalten aufzufallen, darf sich schnell andere Freunde suchen. Ich habe für solche Menschen und Ideen keinen Raum und auch keine Zeit. Das gilt auch und vor allem für die Livesendungen.

Nerdoptionen

Wer IRC trotz allem immer noch für ein tolles Ding hält, der kann übrigens die Community auch wie ein IRC-System benutzen. Wer einen Account in der Metaebene Community angelegt hat erhält automatisch auch einen persönlichen Zugang via IRC-Client. Empfehlen würde ich das nicht (weniger Features und Komform), aber wer es unbedingt will, darf es gerne machen.

11 Gedanken zu „Die Metaebene Community und Beteiligung an Live-Sendungen

  1. Spricht denn was dagegen, dass die IRC-Fans wie ich weiter im normalen IRC bleiben? Ggf kannst du die Kanäle ja an andere übergeben zum weiter moderieren, sollte das nötig sein (unter vernünftigen Leuten reicht, wenn jeder selber /ignore bedienen kann).

  2. Schönes Experiment und ein interessanter Schritt. Die proprietäre Lösung hat mich tatsächlich überrascht, andererseits finde ich’s ja auch gut funktionierende Systeme zu nutzen. Und die Exit-Strategie ist ja schon mitgedacht und kann ausgeführt werden, ohne dass die Metaebene zusammenbricht. Viel Erfolg und gutes Gelingen!

  3. Und brauche ich nicht zwingend eine einladung des admins um im nsfw.slack.com beizutreten? Wollte mir gerade einen account bei slack erstellen. Ohne erfolg.

    Oder was verstehe ich jetzt nicht?

  4. sorry… aber das ist wieder, wie google wave damals….
    (gross gehypedi – yea google wave ist das Ding.. inzwischen tot)
    PURE HIPSTER KACKE…. WIEDER MAL
    IRC -> works for me – since 1995

    never change a running system

  5. Tim, ich bin ein großer Fan Deiner Sendungen, aber Deine Argumentation bez. „Slack ist doch proprietär/böse/closed source/NSA-unterwandert!!eins!!elf!“ finde ich entgegen Deiner Aussage „Ich verstehe Euch“ gerade nicht so als hättest Du die Problematik von wirtschaftlicher Überwachung durch Unternehmen wie Slack, die Du unter dem problematischen Begriff „Verschwörungstheorie“ zusammenfasst, wirklich durchdacht.

    Faktisch argumentierst Du ausschließlich auf der Ebene persönlicher Funktionalität („für mich der praktische Nutzen“) und reihst Dich damit leider ein in einen beängstigenden Zeitgeist, den Juli Zeh treffend formuliert hat:

    „Ich entziehe einer Moral das Vertrauen, die zu faul ist, sich dem Paradoxon von Gut und Böse zu stellen und sich lieber an „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“ hält.“

    (aus: Juli Zeh: Corpus Delicti : Ein Prozess, Kapitel „Wie die Frage lautet“, 2010)

    Das vermeintlich beruhigende Argument, aus Slack wieder aussteigen zu können, sobald „Slack als Firma mental komplett abdreht“, lässt mich fragen, wie es sein kann, dass selbst hoch reflektierte Kreise wie die der Metaebene meinem Eindruck nach nichts gelernt haben amgesichts der Snowden-Enthüllungen und dem dort offensichtlichen Bild bereits vollzogener (nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher) Totalüberwachung. Für eine plausible Erklärung inwiefern sich Slack von anderen proprietären und mit digitalen Daten arbeitenden Services unterscheiden soll, wäre ich offen und dankbar.

    Trotz dieser (hoffentlich konstruktiv aufgefassten) Kritik danke an Dich für Deine Arbeit, die ich gerne weiterverfolge (nur nicht auf Slack)
    Roland

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